Subjects Out of Compassion

A Conscience-Based Justification of Subjectivity

Autor/innen

  • Isa Bilgen Universität Göttingen

DOI:

https://doi.org/10.25365/vlr-2026-10-2-25

Schlagworte:

Würde, Gewissen, Mitleid, Subjektivität

Abstract

Kants Auffassung, wonach Autonomie der Grund der Würde sei, prägt bis heute nicht nur vorherrschende Würdekonzeptionen, sondern auch unser Verständnis von Subjektivität in Recht und Philosophie. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass dieses autonomiezentrierte Paradigma systematisch darin versagt, die Vulnerabelsten wirksam zu schützen – nicht-autonome Menschen, Tiere und die Natur selbst –, und zugleich eine unnachhaltige Herrschaft der Vernunft über die Natur reproduziert. Um diese blinden Flecken zu überwinden, entwickelt der Beitrag eine Neukonzeption von Subjektivität auf Grundlage von Vulnerabilität sowie der vermittelnden Rolle von Gewissen und Mitleid. Das Gewissen wird dabei nicht in einem religiösen Sinne, sondern als objektive Instanz verstanden, die eine doppelte Funktion erfüllt: Es konstituiert die Subjektivität leidensfähiger Naturwesen durch die empathische Anerkennung ihrer Verletzlichkeit und korrigiert rein autonomiebasierte moralische Maximen durch die empathische Urteilskraft.

Autor/innen-Biografie

Isa Bilgen, Universität Göttingen

Dr. Isa Bilgen studied law and obtained his doctorate in Göttingen in 2024 with a dissertation in legal philosophy titled “Dialectic of Dignity”. He is currently working on his postdoctoral thesis in Potsdam, focusing on aspects of sustainability in social law. In his publications and his general research, he engages with questions of legal and political philosophy as well as political and constitutional theory.

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Veröffentlicht

2026-05-13