Subjects Out of Compassion
A Conscience-Based Justification of Subjectivity
DOI:
https://doi.org/10.25365/vlr-2026-10-2-25Schlagworte:
Würde, Gewissen, Mitleid, SubjektivitätAbstract
Kants Auffassung, wonach Autonomie der Grund der Würde sei, prägt bis heute nicht nur vorherrschende Würdekonzeptionen, sondern auch unser Verständnis von Subjektivität in Recht und Philosophie. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass dieses autonomiezentrierte Paradigma systematisch darin versagt, die Vulnerabelsten wirksam zu schützen – nicht-autonome Menschen, Tiere und die Natur selbst –, und zugleich eine unnachhaltige Herrschaft der Vernunft über die Natur reproduziert. Um diese blinden Flecken zu überwinden, entwickelt der Beitrag eine Neukonzeption von Subjektivität auf Grundlage von Vulnerabilität sowie der vermittelnden Rolle von Gewissen und Mitleid. Das Gewissen wird dabei nicht in einem religiösen Sinne, sondern als objektive Instanz verstanden, die eine doppelte Funktion erfüllt: Es konstituiert die Subjektivität leidensfähiger Naturwesen durch die empathische Anerkennung ihrer Verletzlichkeit und korrigiert rein autonomiebasierte moralische Maximen durch die empathische Urteilskraft.
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